MDR EU-Verordnung kommt. Was müssen Zahnärzte wissen?

Am 26. Mai 2021 wird es für fast alle Zahnarztpraxen in Europa endgültig ernst: Ab dann muss die EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745 – Medical Device Regulation, kurz MDR – verbindlich umgesetzt werden. Damit will die EU den Patientenschutz vor fehlerhaften oder risikobehafteten Medizinprodukten verbessern. Davon betroffen ist nicht nur die Industrie, sondern in erheblichem Maß auch die Zahnärzte – insbesondere mit Eigenlabor.

MDR – Warum muss die Zahnärzteschaft jetzt handeln?

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Am 26. Mai 2021 wird die MDR für die Herstellung und das Inverkehrbringen von Medizinprodukten zwingend. Dies betrifft geänderte und zumeist strengere Vorgaben unter anderem zu klinischen Prüfungen, technischen Dokumentationen, Klassifizierung, Produktkennzeichnungen, Konformitätsbewertungen.  Damit endet dann auch die Übergangsfrist (2017 – 2021), in der Zulassungen von Medizinprodukten nach altem und neuem Recht möglich waren.

Zwar zielt die die Verordnung in erster Linie auf die Industrie, sodass der Großteil der Umsetzungsarbeit insofern bei den Medizinproduktherstellern liegt, die ihre MP gemäß MDR spezifizieren, klassifizieren und kennzeichnen müssen. Gemäß MDR gelten Zahnärzte dann als Hersteller, wenn sie ein Eigenlabor betreiben. Allerdings gelten für sie abgemilderte Vorgaben. Entscheidend für die erheblich steigenden Dokumentations- und Informationsaufwände ist also, ob Sonderanfertigungen hergestellt werden oder serienmäßig hergestellte oder vorkonfektionierte Produkte, die lediglich auf den individuellen Patienten angepasst werden, Verwendung finden.

Was gilt als Sonderanfertigung oder serienmäßig hergestelltes Produkt?

Damit ein zahnärztliches Produkt als Sonderanfertigung gilt, bedarf es:

/ einer schriftlichen Verordnung,
/ einer beruflichen Qualifikation, um gemäß den nationalen Vorschriften eine entsprechende Verordnung veranlassen zu können,
/ einer eigenverantwortlichen Festlegung der Produktmerkmale,
/ sowie einer Anfertigung, die nur für einen einzigen Patienten bestimmt sein darf.

Davon unterschieden werden serienmäßig in industriellen Verfahren hergestellte Produkte, die zwar auf Verordnung produziert werden, aber lediglich auf den jeweiligen Patienten angepasst werden müssen. Diese Differenzierung ist in der Zahnarztpraxis deshalb so wichtig, weil damit unterschiedliche Haftungs-, Kontroll- und Dokumentationsfragen verbunden sind. Die MDR ist hinsichtlich der Herstellung von Medizinprodukten also auch von Zahnarztpraxen anzuwenden bzw. zu befolgen, sofern diese in ihrem Praxislabor Sonderanfertigungen herstellen. Dabei ist es unerheblich, wo bzw. von wem diese hergestellt werden bzw. wie groß das Eigenlabor oder wie hoch der Umsatz damit ist.

Da Zahnarztpraxen bereits unter den bis dato geltenden Vorgaben des MPG und die MPBetreibV arbeiten mussten, lautet also die entscheidende Frage: Was verändert sich konkret unter der neuen MDR?

Höchste Eisenbahn für DS-Win-QM und Inhalte von OPTI

Gemäß den Vorgaben des Artikels 20 MDR ist (weiterhin) keine CE-Konformitätskennzeichnung (CE-Kennzeichen) für Sonderanfertigungen erforderlich. Auch hinsichtlich eines Konformitätsbewertungsverfahrens ergeben sich für zahntechnische Werkstücke keine Änderungen.

Neu bzw. geändert ist allerdings die Ausgestaltung der Konformitätserklärung. Zukünftig haben alle Hersteller – und damit eben auch die Zahnarztpraxis – ein MDR-konformes Qualitätsmanagementsystem zu führen. Dies betrifft gemäß der von der EU vorgegebenen Spezifikationen:

/ Qualitäts- & Risikomanagement
/ Chargenrückverfolgbarkeit
/ System zur Produktbeobachtung und zur Erfassung von Vorkommnissen (Vigilanz)

Somit haben Zahnarztpraxen mit Eigenlabor und Sonderanfertigungen definitiv ein To-Do, auch wenn zuvor schon gemäß den Vorgaben des MPG korrekt und gesetzeskonform gearbeitet worden ist. Die MDR schreibt jedoch keine spezielle Norm für das Qualitätsmanagementsystem (QMS) vor. Auch gibt es keine Verpflichtung zur Zertifizierung des Systems. Doch auch wenn bisher keine genauen Vorgaben zur konkreten Umsetzung existieren, kann man die Vorgaben ohne ein entsprechendes QMS in der Praxis nicht erfüllen. An dieser Stelle ein Hinweis: Sofern das Eigenlabor bereits über ein (auch zertifiziertes) QMS verfügt, ist nicht automatisch gewährleistet, dass damit auch alle Anforderungen der MDR erfüllt werden.

Steigender Prüf- und Dokumentationsaufwand 

Auch wenn es bereits Vorgaben zum Betreiben und Anwenden von MP gab, u.a. in der MPBetreibV, muss der praxisindividuelle Umgang (Dokumentation, Regelungen, Darstellung im DS-Win-QM) auf den Prüfstand gestellt und im Sinne der neuen MDR gründlich geprüft und angepasst werden. Im Bereich des Laborqualitätsmanagementsystems ist insbesondere zu berücksichtigen, dass hier ein paar von der Praxis auf das Labor umgeschriebene Dokumente in der Regel nicht ausreichend sein werden. Man muss es deutlich sagen: Die MDR führt nicht nur für ein gewerbliches Labor, sondern auch für das Praxislabor einer Zahnarztpraxis zu deutlich gestiegenen Anforderungen an das einrichtungsinterne Qualitäts- und Risikomanagement. MP-Bücher und Verzeichnisse müssen aktualisiert, Rücksprache mit Herstellern gehalten samt entsprechender Dokumentation, ggf. der Hersteller gewechselt werden etc. Ein System zum Umgang mit Vorkommnissen mit MP ist zu erstellen und ein MP-Verantwortlicher zu benennen.

Zahnarztpraxen die kein oder nur ein Eigenlabor ohne Sonderanfertigen betreiben, müssen ihren Fokus im Bereich zahntechnische Werkstücke auf das Schnittstellenmanagement legen (Steuerung und Organisation der Abläufe zwischen Zahnarztpraxis und Fremdlabor), da dann das Fremdlabor als Hersteller von Sonderanfertigungen gilt, welches die MDR umsetzen muss.

Zusammengefasst bedeutet die „neue“ Medical Device Regulation für so gut wie jede deutsche Zahnarztpraxis im Minimum einen deutlich steigenden Prüf- und Dokumentationsaufwand. Für Sonderanfertigungen sind intensive Vorbereitungen und Überarbeitungen der Praxisorganisation notwendig.

Dampsoft und OPTI unterstützen Zahnarztpraxen in Sachen MDR

Die OPTI health consulting GmbH bietet alle notwendigen Dokumente sowie eine Einweisung zur bestmöglichen Integration in den Praxisalltag. Alle Dokumente sind so aufbereitet, dass eine unkomplizierte Einbindung in Ihr DS-Win-QM ermöglicht wird. Zudem bietet der Kundenservice von Dampsoft Unterstützung per Remote an, sodass die nötigen Schritte und Änderungen direkt auf dem Praxisrechner gezeigt werden können.

Corona Zahnärzte wirtschaftliche Lage

Nachdem Deutschlands Zahnarztpraxen zwischen März und Mai 2020 signifikante Rückgänge der Leistungserbringung verkraften mussten, hatte sich die Lage im weiteren Jahresverlauf 2020 deutlich stabilisiert. Die Verluste des Frühjahres konnten im Sommer und Herbst weitgehend aufgeholt werden – ein Trend, der sich auch zum Jahresbeginn 2021 fortschreibt. Wie es den Zahnarztpraxen mit Blick auf das Gesamtjahr 2020 erging und wie der Ausblick für 2021 ist, analysiert in diesem Gastbeitrag Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH.

Zahnärztliche Honorarumsätze auf Jahressicht nur minimal gesunken

Nach einer Studie der solvi GmbH konnten Deutschlands Zahnarztpraxen die Honorarverluste des ersten Lockdowns im Jahresverlauf 2020 noch weitgehend aufholen. „Zu unserer großen Freude konnten wir in unserer Analyse von täglichen Echtdaten aus knapp 100 Praxen zeigen, dass Deutschlands Zahnärzteschaft das Jahr 2020 dank gemeinsamer Anstrengung noch halbwegs retten konnte“, erklärt Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH. Nach sechs äußerst schwachen Wochen im Frühjahr konnten die Verluste im Sommer und Herbst durch ausgeweitete Öffnungszeiten, weniger Reise- und Urlaubstätigkeit und aktive Patientenkommunikation weitgehend kompensiert werden. „Die Weihnachtszeit war erneut von deutlichen Rückgängen gekennzeichnet, was der freiwilligen Selbstisolation weiter Bevölkerungsteile für ein sicheres Weihnachtsfest geschuldet sein dürfte“, führt Brendel weiter aus. „Nach unseren Berechnungen steht unterm Strich auf Jahressicht ein leichter Rückgang der Umsätze von Deutschlands Zahnarztpraxen i. H. v. ca. -1 %. Die Leistung der Zahnärzteschaft in 2020 übertraf damit unsere Erwartungen aus dem Sommer, wir waren damals von einem Rückgang von ca. -3 % bis -5 % ausgegangen.“

Durchschnittsbetrachtung darf über große Bandbreite nicht hinwegtäuschen

Nicht hinwegtäuschen dürfen diese Zahlen aber über die Tatsache, dass es viele Härtefälle gab und gibt. Besonders betroffen waren etwa Praxen mit überdurchschnittlich altem Patientenstamm, Praxen in von COVID-19 besonders stark betroffenen Regionen, Praxen in Bürovierteln und vor allem Kombinationen daraus. Besonders kritisch ist die Lage nach wie vor auch für alle neu gegründeten oder kürzlich übernommenen Praxen sowie für all jene, die jüngst stark expandierten.

Trotzdem lässt sich festhalten, dass die Zahnärzteschaft schnell und richtig gehandelt hat. So geht aus einer weiteren solvi-Studie hervor, dass die meisten Zahnarztpraxen schon im März und April 2020 in erheblichem Maße liquide Mittel besorgt oder organisch aufgebaut haben. Diese Liquidität diente den Praxen im weiteren Jahresverlauf 2020 als Puffer und Sicherheitsreserve und verblieb – im Vergleich zu den Vorjahren – auf einem deutlich erhöhten Niveau. Gleichzeitig konnte das Patientenaufkommen mit klarer und direkter Kommunikation nachhaltig stabilisiert werden.

Bisheriger Anstieg der Leistungserbringung weckt Hoffnung

Für 2021 kann die Zahnärzteschaft jedoch vorsichtig optimistisch sein. In den ersten Wochen scheint es bereits Nachholeffekte aus der besonders schwachen Weihnachtszeit zu geben. So lag die Leistungserbringung in den Praxen zwischen KW 1 und KW 6 2021 im Median gut 10 % über dem Vorjahr. Dessen ungeachtet sank die Überperformance zum Vorjahr aber in den letzten vier Wochen kontinuierlich und lag in KW 6 nur noch bei ca. 5 %.

Im weiteren Verlauf des ersten Quartals dürften die Patientenzahlen vermutlich weiterhin leicht unter Druck stehen, zumal das Infektionsgeschehen aufgrund er neuen Mutanten und vorzeitiger Lockerungen zuletzt wieder ansteigt. „Wir gehen kurzfristig keinesfalls von einem starken Rückgang der Patientenzahlen aus, wie wir ihn im März und April 2020 beobachten könnten“, so Brendel. „Für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir in den Sommer hinein sinkende Infektions- und Todeszahlen in Folge der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung. Entsprechend gehen wir auch für Zahnarztpraxen von einer graduellen Rückkehr zur Normalität und zu den gewohnten Patientenzahlen in allen Alters- und Risikogruppen aus. Bei älteren Patientengruppen dürfte es nach erfolgreicher Immunisierung sogar zu leichten Nachholeffekten aus 2021 kommen“, hält der Finanz-Experte abschließend zum weiteren Ausblick fest.

Praktische Tipps für den weiteren Jahresverlauf
1
Beschäftigen Sie sich weiterhin fortlaufend mit den Praxisfinanzen – Bedingt durch eventuelle Nachzahlungen für Steuer- oder Mietstundungen, die Tilgung einer zusätzlichen Kreditnutzung oder die Zurückzahlung von Staatshilfen kann es zu unerwarteten Verwerfungen und finanziellen Engpässen kommen.
2Nutzen Sie den Winter und das Frühjahr, um Ihre Praxis strukturell und organisatorisch weiter zu optimieren – so werden sie gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen.
3
Nutzen Sie die neuen Fortbildungsmöglichkeiten wie etwa Live-Onlineseminare, Videoschulungen, digitale Kongresse oder Podcasts als Möglichkeit zur Weiterbildung. Größere Präsenzveranstaltungen dürften bis auf weiteres leider nicht durchführbar sein.
4Behalten Sie weiterhin Ihr Patientenaufkommen und Ihre Leistungserbringung genau im Auge; beides sind vorlaufende Indikatoren für Ihren Geldzufluss der Zukunft und damit auch für Ihren Kontostand von morgen.

Controlling für Zahnärzte

Quelle: solvi GmbH, am 23. Februar 2021

* Die solvi GmbH weist darauf hin, dass es sich bei den vorgelegten Zahlen um eine Analyse eines nicht repräsentativen Praxis-Panels handelt. Die Ergebnisse erheben daher keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die solvi GmbH geht dennoch davon aus, dass die darin zu sehenden Entwicklungen und Größenordnungen wertvolle Anhaltspunkte liefern können und sich im Zeitablauf im Wesentlichen bestätigen und weiter verfestigen.

Die Digitalisierung in Zahnarztpraxen schreitet fort und unterstützt Team und Behandler bei einer wachsenden Zahl von Aufgaben. Dabei spielt eine effiziente und zeitökonomisch sinnvolle Terminplanung eine wichtige Rolle. Fest steht: Zeit ist Geld und Leerläufe, mit denen kein Umsatz generiert wird, können sich Praxen kaum mehr leisten in Zeiten steigenden Kostendrucks. Moderne Software vereinfacht die Vergabe von Terminen erheblich, verschafft den Mitarbeitern einen besseren Überblick und reduziert Fehlerquellen.

Mit digitalen Terminbüchern Leerläufe und lange Wartezeiten vermeiden
Wohl jeder Mitarbeiter in einer Zahnarztpraxis kennt diese Situationen: Ein Notfall kommt rein und muss in den ohnehin vollen Terminkalender geschoben werden, Patienten kommen zu spät oder gar nicht zum Termin und eine Behandlung dauert länger als geplant. Moderne Programme, wie das Terminbuch-Modul von Dampsoft, bieten in diesen Fällen schnell eine Lösung.

So kann jeder Behandler individuell festlegen, wie viel Zeit er für bestimmte Behandlungen benötigt. Indem er diese Informationen im digitalen Terminbuch hinterlegt, schafft er die Voraussetzungen dafür, dass die Fachkräfte an der Rezeption Behandlungen genauer planen und auf diese Weise Leerläufe vermeiden können. Durch eine digitale Warteliste kann zudem schnell auf Terminausfälle reagiert und somit Praxisausfall vermieden werden. Hierbei ist im System vermerkt, welche Patienten schon einen Termin haben und gerne einen früheren wünschen und welche Patienten noch gar keinen Termin haben.

Auch bei Patienten, die wiederholt zu spät oder gar nicht zu Terminen erscheinen, bietet das Terminbuch-Modul eine geeignete Lösung. Es wird automatisch eine Statistik über das Terminverhalten der Patienten geführt, sodass die Praxismitarbeiter die Möglichkeit haben, Wiederholungstäter sanft zur Besserung zu bewegen. Etwa durch die Nutzung einer SMS-Terminerinnerung.

24-Stunden-Rezeption schafft Entlastung und Verbindlichkeit
Ein elektronisches Terminbuch, auf das Patienten, Behandler und Team jederzeit zugreifen können, entlastet die Praxen spürbar. Per QR-Code oder über die Website der Zahnarztpraxis lässt sich das Terminbuchungsportal aufrufen. Dem Patienten werden freie Zeitblöcke vorgeschlagen, die seinen Kriterien entsprechen. Nach Buchung erhält der Patient sofort eine Terminbestätigung, in der sich eine ICS-Datei befindet, mit der per Klick ein Eintrag im Smartphone-Kalender gespeichert wird. Der Patient kann zudem auf Wunsch eine Terminerinnerung per SMS erhalten, wodurch die Ausfallquote erheblich gesenkt werden kann. Auf der anderen Seite haben die Behandler die Möglichkeit sich schnell von zu Hause oder unterwegs einen Überblick zu verschaffen, was z. B. morgen ansteht oder auch selber Termine eintragen bzw. blocken. All diese Schritte finden ohne Online-Terminmanagement an der Rezeption der Zahnarztpraxis statt.

Arzt-Patienten-Portale als zusätzlichen Service
Terminbuchungsportale haben sich bereits in anderen Branchen erfolgreich etabliert. So bieten viele Restaurants über Portale wie OpenTable die Möglichkeit einen Tisch per Klick zu reservieren. Ein solches Serviceangebot wird auch im Rahmen eines anstehenden Zahnarztbesuchs zunehmend genutzt und kann bei der Akquise von Neupatienten helfen.

Auch DS-Win-Anwender können seit Neuestem gleich über zwei Kontaktpunkte den Terminbuchungsservice anbieten: Über die Praxis-Website mit dem Online-Terminmanagement (OTM) von Dampsoft und über jameda, das größtes Arzt-Patienten-Portal Deutschlands. Nach Aktivierung der Schnittstelle im DS-Win werden freie und gebuchte Termine zwischen jameda-Profil und dem DS-Win-Terminbuch automatisch synchronisiert.

Positive Patientenerlebnisse stärken das Image
Gerade jüngere Praxisbesucher betrachten Serviceleistungen wie das Buchen von Terminen online immer häufiger als selbstverständlich und nehmen die dadurch entstehenden Vorteile gerne in Anspruch. Da sich Patienten durch private Zuzahlungen mehr als Kunden fühlen, treten sie auch selbstbewusster auf als früher. Mit einem Online-Terminmanagement können Zahnärzte also auch ihre Außenwirkung als moderne Praxis stärken.

 

 

Dampsoft-Blog Jahreswechsel und Resturlab - worauf ist zu achten?

Manche Mitarbeiter von Zahnarztpraxen nehmen Urlaubstage ins neue Jahr mit und schieben damit einen immer größeren Berg von freien Tagen vor sich her. Doch dies ist nur im Ausnahmefall erlaubt. Gesetzlich ist nämlich festgeschrieben, dass Urlaub grundsätzlich in dem Jahr genommen werden muss, in dem er anfällt. Wenn der Praxisinhaber dem Übertragen von Urlaubstagen einen Riegel vorschieben will, muss er einen Punkt besonders beachten.

BUNDESURLAUBSGESETZ REGELT ÜBERTRAGUNG VON RESTURLAUB

Im Bundesurlaubsgesetz heißt es in den ersten beiden Sätzen von § 7 Abs. 3: Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen.

Doch immer wieder gab es in der Vergangenheit Streit darüber, wenn die Praxismitarbeiter wegen der großen Arbeitsbelastung ihren Urlaub überhaupt nicht nehmen konnten. Durfte dann der Urlaub ausnahmsweise ins neue Jahr übertragen werden? Denn immerhin sammelten sich bei einzelnen Mitarbeiter so viele Urlaubstage an, dass ein wochenlanger Ausfall drohte, wenn plötzlich Urlaub beantragt wurde.

BUNDESARBEITSGERICHT MIT WEGWEISENDEM URTEIL

Im vergangenen Jahr hat sich das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit einem solchen Fall befasst (Urteil vom 19.02.2019, 9 AZR 541/15). In ihrer Entscheidung bekräftigten die Richter, dass der Urlaub grundsätzlich nicht ins neue Jahr übertragen werden darf. Dies ist ja auch in dem zuvor zitierten § 7 Abs. 3 Bundesurlaubsgesetz so geregelt.

Der Urlaub verfällt zum Jahreswechsel jedoch nur unter einer Bedingung, so das Gericht: Der Arbeitgeber muss den Beschäftigten rechtzeitig vor dem Jahreswechsel zum Antritt von Resturlaub aufgefordert und davor gewarnt haben, dass der Urlaub ansonsten verfällt.

Hintergrund des Urteils ist die europäische Arbeitszeit-Richtlinie, die in § 7 Abs. 1 regelt, dass die EU-Staaten sicherstellen, dass der Arbeitnehmer seinen Jahresurlaub auch „erhält“ (Richtlinie 2003/88/EG). Hierzu muss der Arbeitgeber den Beschäftigten zuvor in die Lage versetzen, den Urlaub tatsächlich rechtzeitig zu nehmen und ihn über den ansonsten drohenden Verfall der Urlaubstage aufklären.

Praxistipp: Wenn Sie vermeiden wollen, dass der Berg an Urlaubstagen Ihrer Mitarbeiter weiter wächst, sollten Sie diese umgehend schriftlich auffordern, ihren Jahresurlaub bis zum 31. Dezember 2020 zu nehmen und auf den sonst drohenden Verfall des Resturlaubs hinweisen.

AUFNAHMEFALL: URLAUB BIS 31. MÄRZ „SCHIEBEN“

Da sich mancher Praxisinhaber aber ins eigene Fleisch schneiden würde, wenn er aufgrund aufgelaufener Urlaubstage seine Mitarbeiter jetzt bis zum Jahresende in den Urlaub schickt, besteht noch eine Hintertür. Gesetzlich ist es nämlich zulässig, dass der Resturlaub 2020 bis zum 31. März 2021 genommen werden kann, wenn dringende persönliche oder betriebliche Gründe vorliegen. Und eine erhebliche Beeinträchtigung der Praxistätigkeit aufgrund von fehlenden Mitarbeiter wäre ein solcher dringender Grund, die Übertragung von Urlaubstagen zu gewähren.

Praxistipp: Halten Sie als Praxisinhaber Ihre Mitarbeiter dazu an, ihren Urlaub in dem Jahr zu nehmen, in dem er anfällt. Hierzu müssen Sie auch die Möglichkeit schaffen und Urlaubsanträge möglichst positiv bescheiden. Falls im Ausnahmefall viele Urlaubstage angefallen sind, sollten Sie zwar auf deren Abbau drängen, aber in Zeiten von Fachkräftemangel auch tolerant sein. Denn die Rechtslage zum Urlaub ist nicht in Stein gemeißelt: Es bleibt Ihnen unbenommen, kulant zu sein und ausnahmsweise auch die weitere „Mitnahme“ von Urlaub zu gewähren. In Zeiten von Fachkräftemangel vielleicht nicht die schlechteste Idee.

 

Deutschlands Zahnärzte mussten zwischen März und Mai signifikante Rückgänge der Leistungserbringung verkraften. Die Hilfs- und Konjunkturprogramme des Bundes und der Länder konnten diese Verluste kaum abschwächen. Wie es den Praxen seit der ersten Welle wirtschaftlich ergangen ist und wie der Ausblick für den Winter ist, analysiert in diesem Gastbeitrag für uns Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH.

ERHEBLICHE RÜCKGÄNGE ZWISCHEN MÄRZ UND APRIL

Nach einer Studie der solvi GmbH ist die zahnärztliche Leistungserbringung zwischen März und Mai im Schnitt um ca. 40 – 50 % zurückgegangen, einzelne Praxen mussten gar einen Rückgang von bis zu 90 % verzeichnen. Bedingt waren diese Rückgänge durch verordnete Kontaktbeschränkungen und die allgemeine Vorsicht der Bevölkerung. Die Entwicklung wies dabei eine hohe Korrelation mit der Mobilität der Gesamtbevölkerung auf. Im Rahmen der schrittweisen Lockerungen kam es dann im Jahresverlauf bis einschließlich Oktober zu einer deutlichen Erholung auf Vorjahresniveau.

DEUTLICHER VERLUST AN WERTSCHÖPFUNG IM JAHRESVERLAUF

Trotz der Erholung haben sowohl Zahnarztpraxen als auch die Dentalindustrie herbe finanzielle Verluste erlitten. Alleine durch bisher nicht erfolgte Behandlungen ergibt sich nach unserer Einschätzung ein Umsatzverlust von insgesamt etwa einer Milliarde Euro. Sollte es in der nun laufenden zweiten Pandemiewelle erneut zu einem deutlichen Patientenrückgang kommen, könnte der Verlust bis zum Jahresende sogar deutlich größer ausfallen. Verstärkt wird dieser Effekt laut Bundeszahnärztekammer möglicherweise durch die Tatsache, „dass das Prämiensystem der privaten Versicherungen eine Nichtinanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen während eines Kalenderjahres honoriert und damit Anreize bietet, Behandlungen im laufenden Jahr nicht mehr zu beginnen.“

Aktuell befinden sich die Infektionszahlen erneut auf erhöhtem Niveau. Bis zur Bereitstellung eines effektiven Impfschutzes in ausreichenden Mengen ist mit weiteren Infektionswellen zu rechnen. Die aktuelle Situation wird Deutschlands Zahnärzte also aller Voraussicht nach bis 2021 und vielleicht sogar bis 2022 beschäftigen und somit die Liquiditätssituation der Praxen weiterhin nachteilig beeinflussen.

FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN AUF ZAHNARZTPRAXEN BESONDERS HOCH

Aufgrund ihrer Kostenstruktur und des Leistungscharakters sind Zahnarztpraxen von solchen Umsatzrückgängen besonders stark betroffen. Da Zahnarztpraxen besonders personal- und ausstattungsintensiv sind, bilden Personal-, Raum- und Gerätekosten in jeder Praxis die größten Kostenblöcke. Bei diesen drei Kostenarten handelt es sich jeweils um sogenannte Fixkosten – diese besitzen die unangenehme Eigenschaft, unabhängig von der Leistungserbringung anzufallen. Im Gegensatz dazu sind beispielsweise Materialkosten und Kosten für externe Abrechnung variabel – sie fallen größtenteils nur bei durchgeführten Behandlungen an.

Die genannten Umsatzeinbußen dürften in vielen Zahnarztpraxen daher zunächst unmittelbar auf den Gewinn und die Liquidität durchgeschlagen haben. Verschärft wurde dieser Effekt zusätzlich durch die stark gestiegenen Hygienekosten in Folge zusätzlicher Hygienemaßnahmen und höheren Beschaffungspreisen. Lagen die durchschnittlichen Hygienekosten je Behandlung laut Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in 2019 noch bei etwa 5 bis 5,50 Euro, dürften diese im Jahreslauf weiter angestiegen sein.

RÜCKENWIND DURCH COVID-HYGIENEPAUSCHALE UND KONJUNKTURPAKET

Entlastung kam für die Praxen vor allem durch die GOZ-Hygienepauschale sowie das Konjunkturpaket der Bundesregierung. So durften Praxen zwischen dem 8. April und dem 30. September 2020 zur Abdeckung der erhöhten Kosten bei jeder Sitzung die Gebührennummer 3010 analog mit dem 2,3-fachen Satz abrechnen (14,23 Euro pro Sitzung). Seit dem 1. Oktober bis zunächst 31. Dezember 2020 darf hierfür immerhin noch der 1,0-fache Satz abgerechnet werden (6,19 Euro). Für eine Praxis mit 2 privatversicherten Patienten pro Tag ergeben sich bei 21 Arbeitstagen pro Monat und 9 Monaten Laufzeit der Sondervergütung mögliche Mehreinnahmen in Höhe von circa 4.350 Euro. In Summe wird diese Unterstützung die Mehrkosten der Praxen zwar sicher nicht komplett kompensieren, sie stellt aber zumindest eine materielle Unterstützung dar. Eine zusätzliche Entlastung im vierstelligen Bereich ergab sich ferner aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung. Hier waren insbesondere die temporäre Senkung der Umsatzsteuer, die einmalige Prämie für Ausbildungsbetriebe sowie die Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge hilfreich.

EIGENINITIATIVE UND KOOPERATION – DIE SCHLÜSSEL ZUR LÖSUNG 

Seit dem 2. November gelten nun erneut bundesweit Einschränkungen zur Eindämmung des Virus. Zwar können wir bisher keinen Rückgang in den Patientenzahlen beobachten, eine erste Reduzierung der Bevölkerungsmobilität ist aber bereits erkennbar (und ja auch erklärtes Ziel der Maßnahmen). Sofern es sich wie in der ersten Welle verhält, können wir mit etwas zeitlichem Verzug auch sinkende Patientenzahlen in Deutschlands Zahnarztpraxen erwarten. Praxisinhaber sollten daher genau beobachten, wie sich die Leistungserbringung bei ihnen entwickelt. Sofern hier erneut Rückgänge zu verzeichnen sind, sollten Praxisinhaber sofort ihr Liquiditätspolster prüfen und liquiditätssichernde Maßnahmen erwägen.

5 TIPPS FÜR DEN ZWEITEN LOCKDOWN

1. Behalten Sie die Themen betriebswirtschaftliche Praxisführung und strukturelle Praxisoptimierung stets im Auge.

2. Unabhängige Berater auf Honorarbasis helfen Ihnen bei der Analyse und Umsetzung.

3. Webinare, Videos und Podcasts sind kostengünstige Möglichkeiten zur Weiterbildung. Auf dem solvi Blog sowie dem Podcast „Aufgebohrt“ gibt es regelmäßig Updates zur Entwicklung der Patientenzahlen und Leistungserbringung.

4. Überprüfen Sie den lückenlosen Ansatz der Ziffer 3010a bei Privatpatienten – dies wird häufig vergessen.

5. Behalten Sie Ihr Patientenaufkommen und Ihre Leistungserbringung in den kommenden Monaten genau im Auge. Beides sind Indikatoren für Ihren künftigen Geldzufluss – und damit auch für Ihren voraussichtlichen Kontostand.

Die Anforderungen an selbstständige Zahnärzte sind groß: Es gilt nicht nur Patienten zu behandeln und dabei fachlich auf dem neuesten Stand zu sein, sondern gleichzeitig das eigene Unternehmen sicher zu steuern und die Praxisfinanzen jederzeit im Blick zu behalten. Ganz besonders gilt dies nach Praxisübernahme oder -gründung, in expandierenden Praxen sowie mit steigender Praxisgröße und in komplexeren Praxisstrukturen, etwa mit mehreren Partnern, angestellten Zahnärzten, verschiedenen Bereichen oder sogar Standorten. Doch in allen Praxen gilt: Die sich ständig wandelnden externen Rahmenbedingungen erfordern ein schnelles und effizientes Handeln in der Praxis. Wie man die Praxisfinanzen ganz einfach und ohne viel Aufwand jederzeit im Blick behält, zeigt uns in diesem Beitrag Diana Haber, Geschäftsführerin der solvi GmbH.

STETS DEN ÜBERBLICK BEHALTEN

In diesem Jahr hat die Corona-Pandemie eindrücklich vor Augen geführt, wie wichtig es für die Praxisinhaber ist, ihre eigenen Zahlen jederzeit aktuell abrufen und analysieren zu können. Um den aktuellen Praxiserfolg und die zukünftige Liquiditätsentwicklung einschätzen zu können, sollten sich Praxisinhaber daher regelmäßig mit der Leistungserbringung und den eigenen Finanzkennzahlen beschäftigen. Hierfür werden meist die Leistungsstatistik der Abrechnungssoftware und die sogenannte Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) des Steuerberaters herangezogen. Deutlich eleganter und leichter geht die Sache jedoch mit modernen Tools zur Praxissteuerung von der Hand. Hier werden die Daten der Leistungserbringung, der Finanz- und Lohnbuchhaltung, der Arbeitszeiterfassung und der Materialverwaltung zusammengebracht, um Praxisinhaber und Praxismanagement stets mit aktuellen und aufschlussreichen Kennzahlen zu versorgen.

DER PRAXISERFOLG LAUT FINANZBUCHHALTUNG

Viele Praxisinhaber fragen sich, warum sich der angezeigte Gewinn nicht auf ihrem Kontostand widerspiegelt und wo ihr Geld geblieben ist. Um sich diese Frage beantworten zu können, ist es unerlässlich, die Zusammenhänge zwischen steuerlichem Jahresüberschuss und Kontostand zu verstehen. Denn auch wenn die Zahnarztpraxis laut BWA erfolgreich ist, sagt dies nicht unbedingt etwas über die vorhandene Liquidität aus. Gründe dafür sind unter anderem Kostenpositionen der BWA, die für das steuerliche Ergebnis relevant sind, aber keinen Geldabfluss darstellen (z. B. Abschreibungen) sowie andere Geldabflüsse, die erfolgsneutral sind und daher nicht in der BWA auftauchen (z. B. Privatentnahmen). Nur wer die BWA und die Liquiditätsrechnung betrachtet, erhält daher ein vollständiges Bild hinsichtlich des eigenen Praxiserfolges.

DIE LEISTUNGSERBRINGUNG LAUT LEISTUNGSSTATISIK

Und wie stehen diese Auswertungen nun und im Zusammenhang mit der Leistungsstatistik? Auch dies ist einfach erklärt: Die Leistungsstatistik zeigt prinzipiell einmal an, wie fleißig in der Praxis Leistungen erbracht wurden. Damit diese sich auf dem Konto niederschlagen, müssen sie aber auch vollständig dokumentiert, abgerechnet und geflossen sein. Folglich ergibt sich zwischen Leistungsstatistik und Erlösen laut BWA immer eine mehr oder weniger große Lücke bedingt durch nicht dokumentierte, nicht abgerechnete oder nicht vereinnahmte Honorarleistungen. Ebenfalls ergeben sich zeitliche Verschiebungen von mehreren Wochen oder gar Monaten, welche sich insbesondere durch die Abrechnungszyklen der KZV, aber auch durch das Zahlverhalten der Patienten ergeben. Von den letztendlich vereinnahmten Honorarerlösen müssen dann auch sämtliche Praxisausgaben getätigt werden. Wie man sieht, korrelieren Praxisleistung, Überschuss und Praxisliquidität daher nur bedingt und vor allem zeitlich versetzt.

VON DER LEISTUNGSERBRINGUNG BIS ZUM KONTOSTAND

Wie sich aus den Ausführungen oben ergibt, bilden die Leistungsstatistik und die Zahlen der Buchhaltung eine ideale Ergänzung, wenn es um die Steuerung des Praxiserfolgs geht. Zum einen kann die Leistungserbringung als Maßstab zur Beurteilung der Geschäftsentwicklung herangezogen werden. Eine hohe Leistungserbringung ist Basis für jeden Erfolg! Zum anderen ist die Leistungserbringung ein führender Indikator, da sich Veränderungen hier sehr früh zeigen, lange bevor sie in der Buchhaltung in Form von Zahlungsflüssen erscheinen.

Um beispielsweise bei einem Umsatzrückgang die Auswirkungen einschätzen zu können, ist es wichtig, dass die Praxisinhaber die Zusammensetzung der Leistungserbringung und die Gründe für den Rückgang kennen. Je nach Art oder Ursache der „Umsatzstörung“ können dann entsprechende Maßnahmen eingeleitet und der Einfluss auf Überschuss und Liquidität errechnet werden. Auf der anderen Seite bilden die Buchhaltung mit dem darin enthaltenen steuerlichen Ergebnis und die Liquiditätsrechnung in gewisser Weise die „wirtschaftliche Realität“ der Praxis ab. Denn auch die schönsten Leistungsstatistiken bringen am Ende wenig, wenn die erbrachten Leistungen nicht vereinnahmt oder davon zu viel wieder ausgegeben wird. Klar ist: Ein leeres Konto birgt letztendlich die größte Gefahr für das Fortbestehen einer Praxis und für das mentale und körperliche Wohlergehen der Inhaber.

PRAXISSTEUERUNG ALS ERFOLGSMODELL

Die Anforderungen an Praxisinhaber sind hoch und scheinen fortlaufend zu steigen. Da ist es erfreulich, wenn man in Teilbereichen Entlastung erfahren kann. In den Teilbereichen Praxissteuerung und Erfolgskontrolle können moderne Softwaretools sowie spezialisierte Beratungen einen wertvollen Beitrag leisten. Lösungen wie das Dampsoft Controlling Cockpit oder die ergänzende Controllinglösung „solvi control“ ermöglichen Praxisinhabern eine einfache und intuitive Analyse der Praxiszahlen von der Leistungserbringung über die Geldflüsse bis zum Kontostand – und das alles von jedem Ort und zu jeder Zeit! Wer sich hierbei lieber unterstützen lässt, dem helfen die Experten der solvi GmbH mit ihrem Ansatz des „Controlling as a Service“. Hierbei bekommen Praxisinhaber einen Rundumservice, bei dem das Team um Diana Haber die Praxiszahlen geordnet und zentral erfasst, auswertet und die wesentlichen Beobachtungen regelmäßig mit Praxisinhabern oder Praxismanagement bespricht.

Derzeit wird viel über Künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen gesprochen. Zwar gibt es aktuell erst rund 50 (zahn-)medizinisch zertifizierte KI-Anwendungen, doch weitere hoffnungsvolle Projekte sind in der Pipeline.

BILDANALYSE IM FOKUS DER KI

Ein Beispiel für den Einsatz von KI ist die kephalometrische Analyse eines Fernröntgenseitenbildes (FRS) in der Kieferorthopädie. Die KI kann den gesamten Vorgang, der manuell einige Minuten dauert, in einer Sekunde und bei gleichbleibend hoher Qualität durchführen. Da die Anzahl der medizinischen Bilder jährlich mit ca. 10-12 Prozent wächst, wird hier den Praxen ein geeignetes Mittel an die Hand gegeben um dem steigenden Auswertungsaufwand zu entgegnen. Mit Analyse Now ist Dampsoft der deutsche Anbieter der weltweit einzigen medizinisch zugelassenen Kephalometrie-KI.

WIE FUNKTIONIERT DIE AUSWERTUNG MIT HILFE VON KI?
Mit den „Convolutional Neural Networks“ (erfunden 1989) existiert eine Technologie, die den visuellen Cortex des menschlichen Gehirnes nachbildet. Dazu werden im Computer künstliche Neuronen zu Netzwerken verbunden, die – ebenso wie der Mensch – in Bildern Strukturen bzw. Muster erkennen und diesen Bedeutung zuordnen können.

In Analyse Now sind dafür ca. 200 Millionen Neuronen im Einsatz. Ähnlich wie bei einem Studenten in der Vorlesung werden dem Netzwerk Tausende bekannte Bilder und dazugehörige Diagnosen antrainiert. Nach vielen Zehntausend solcher Lernvorgänge ist das Netzwerk in der Lage, selbstständig relevante Information in neuen Bildern zu erkennen.

QUALITÄT DER DATEN ENTSCHEIDEND

Um die notwendige medizinische Evidenz und Zertifizierung zu erlangen, ist es erforderlich, dass die Trainingsdaten eine extrem hohe, statistisch bekannte Qualität und das gesamte Verfahren eine dokumentierte Zuverlässigkeit besitzen. Der Grund wird aus der Analogie zur klassischen Ausbildung deutlich: Werden Studenten mit unpassenden Fällen, falschen Diagnosen oder von schlechten Professoren ausgebildet, wird man keine qualifizierten Absolventen erwarten dürfen. Im Beispiel Analyse Now wurden für das KI-Training circa 3.000 FRS verwendet, in denen unabhängig und peer-reviewed von 14 Fachärzten jeweils 44 Landmarken mit einer Genauigkeit unter 0,8 mm lokalisiert werden mussten.

WEITERE KI-ANWENDUNGEN

Eine große Zahl von Anwendungen in der Zahnmedizin wurde bereits identifiziert und befindet sich in der Entwicklung. Einige Beispiele:

> Identifikation und ICDAS-Klassifikation von Kariesläsionen in Bissflügel- und Zahnfilmaufnahmen, u.a. um den Einsatz von biomimetischer Re-Mineralisierung zu fördern

> Indikation von Pathologien (Tumore, Zysten, apikale Aufhellungen, …) in OPGs, um das Haftungsrisiko des Zahnarztes aus einer Fehldiagnose zu reduzieren. Zudem, soweit praktikabel, Aufnahme des Zahnstatus

> Auswertung von DVTs (Vermessung ossärer Strukturen, Nervenkanalverläufe, etc.) für die vollständig automatisierte Implantatplanung

> Automatisches Design von Zahnersatz aus Intraoral Scan und DVT-Aufnahmen, wobei die KI die Werkstücke nach Passform, Farbe, ästhetischer Linienführung und Kraftaufnahme optimiert, sowie ggf. direkt vor Ort die Produktion (z.B. mit 3-D-Druck) durchführt.

> Automatisches Design und sofortige stuhlseitige Produktion von Alignern aus einer Kombination von kephalometrischer Analyse und Intraoral Scan zumindest für geringe Korrekturen

Wie bei allen neuen Technologien wird KI zuerst bei einfacheren Indikationen Anwendung finden, während komplexe Fälle weiterhin den menschlichen Experten vorbehalten bleiben. Die bereits dadurch entstehende Entlastung aus der Routine wird Ärzten erlauben, sich intensiver den komplexen Fällen und ihren Patienten zu widmen.

IST KI DIE ZUKUNFT DER ZAHNMEDIZIN?
Die selbstständige Lernfähigkeit als Hauptmerkmal der KI macht sie zu einer exponentiellen Technologie, die umso leistungsfähiger wird, je mehr sie eingesetzt wird. Als Konsequenz wird erwartet, dass die Unternehmen und Leistungserbringer, die ihre Prozesse frühzeitig auf den Einsatz von KI modernisieren, für die Zukunft einen Vorsprung in Effizienz und Qualität ausbauen.

In der Zahnmedizin prognostizieren wir, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Großteil der aktuell manuellen Diagnose-, Planungs- und Herstellungstätigkeit durch KI-gesteuerte Prozesse ersetzt oder zumindest unterstützt wird. Es lohnt sich somit für jeden Zahnarzt, diesen Wandel früh zu erkennen und frühzeitig die Weichen richtig zu stellen.

 

Künstliche Intelligenz (KI) kann sichere selbstfahrende Autos produzieren, andererseits aber die Börsen abstürzen lassen. Und auch in der Zahnmedizin stehen hoffnungsvollen Chancen einige ungemütliche Risiken gegenüber.

MENSCHLICHE VS. KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Menschliche Intelligenz funktioniert wie folgt: Unser Gehirn analysiert Daten mithilfe bestimmter Werkzeuge, die durch Lernen erworben wurden und laufend verbessert werden. So bewerten Zahnärzte Röntgenbilder durch ihre langjährige Erfahrung in der Praxis und mithilfe ihrer theoretischen Kenntnisse aus Studium und Fortbildung. Anschließend stellen sie eine Diagnose und empfehlen eine Therapie.

Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz hingegen bewerten Algorithmen solche Röntgenbilder. Die Software untersucht die Daten – ähnlich wie das Gehirn – auf typische Muster, anhand derer es die Regeln eigenständig erlernt und stetig verfeinert. Bereits heute zeigt das maschinelle Lernen bei sich wiederholenden Aufgaben beeindruckende Ergebnisse – also immer dann, wenn riesige Datenmengen verarbeitet werden müssen und beim Menschen dazu führen können, dass seine Konzentration nachlässt oder er den Überblick verliert.

BEDENKEN GEGEN KI
Einige Menschen haben jedoch große Vorbehalte gegenüber KI: Außer Kontrolle geratene roboterähnliche Maschinen sind zwar eher Zerrbilder von apokalyptischen Science-fiction-Filmen; die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes ist da schon wesentlich greifbarer. Im Bereich der Zahnmedizin hört man bereits von Robotern in China, die vollautomatisch Implantate setzen – derzeit noch eine Vorstellung, die vielen Menschen Angst macht.

VORTEILE ÜBERWIEGEN NACHTEILE
Die Möglichkeiten der KI sind jedoch insbesondere im (zahn-)medizinischen Bereich nicht hoch genug einzuschätzen – die Vorteile überwiegen die Nachteile deutlich. Doch bei aller Euphorie sollte nicht vergessen werden: Die menschliche Intelligenz bleibt der entscheidende Faktor. Wird beispielsweise mit einer qualitativ schlechten Datenbasis programmiert, sind die Ergebnisse entsprechend mangelhaft. Das Problem: Die Fehler beim „Füttern“ des Programms können am Ende nur schwer nachvollzogen werden – es ist also kaum mehr ersichtlich, auf welcher Datenbasis die Maschine ihre Empfehlungen ausspricht.

HILFE FÜR DEN ZAHNARZT
Für den Zahnarzt – und auch für den Patienten (!) – bietet der Einsatz von KI jedoch greibare Vorteile: KI leistet z. B. Hilfestellung bei komplexen Analysen – etwa bei der Frage, ob auf dem Röntgenbild Karies zu erkennen ist. Eine verbesserte Diagnostik kommt dem Patienten zu Gute, die Behandlungsqualität erhöht sich. Im Idealfall wird der Zahnarzt von Routineaufgaben entlastet, wodurch mehr Zeit bleibt, sich dem Patienten zuzuwenden. Weitere Anwendungsfälle von KI gibt es etwa bei der Zusammenführung von Patientendaten aus verschiedenen Bereichen wie Bildgebung, Laborwerten etc., bei der assistierten Planung von Implantatpositionen und bei der Abrechnung mit Kostenträgern.

Schon heute führen KI-unterstützte Systeme zu besseren Ergebnissen als ohne deren Einsatz. Selbst wenn KI-Lösungen in solchen Bereichen den menschlichen nur ebenbürtig sind, ist ihre Geschwindigkeit deutlich höher. Zeitersparnis bedeutet für den Zahnarzt Kostenersparnis – ein wichtiger Aspekt für die Wirtschaftlichkeit der Zahnarztpraxis.

KI FÖRDERT BEHANDLUNGSQUALITÄT
Bestimmt somit der Computer oder eine App künftig, was der Zahnarzt zu tun und zu lassen hat? Soweit wird es wohl nicht kommen, die Entscheidungshoheit muss selbst beim Einsatz bester KI immer noch der Zahnarzt selbst haben. Doch aufgrund der größeren Leistungsfähigkeit bei ganz bestimmten Aspekten wird auch der konservative Zahnarzt künftig nicht mehr auf den Einsatz von KI verzichten wollen – schon aus Gründen der qualitativ hochwertigen Patientenbehandlung.

Die Gefahr bei der routinemäßigen Verwendung von KI besteht vor allem darin, dass dem Zahnarzt die eigene Übung und Erfahrung auf solchen Feldern schleichend abhandenkommen könnte, welche zunehmend auf Systeme der KI übertragen werden. Ein plastisches Beispiel aus dem Alltag: Seit jedes Smartphone ein GPS mit Routenplaner hat, kennen immer weniger Menschen die Straßennamen der nächsten Umgebung – steht ja alles im Netz!

DER ZAHNARZT SOLLTE MÜNDIG BLEIBEN
Um der Gefahr der Entmündigung zu begegnen, sollten inhaltliche Anforderungen im Zahnmedizin-Studium dafür sorgen, dass auch in Zukunft das Erlernen von „analogen“ Techniken im Fokus bleibt. Zudem sollte die KI-Kompetenz in das Curriculum aufgenommen werden: Dabei wird der angehende Zahnarzt mit den Grundlagen der Arbeitsweise von KI-Systemen vertraut gemacht. So kann er Entscheidungen von KI-Systemen nachvollziehen und sich notfalls, soweit zahnmedizinisch begründet, den Lösungsvorschlägen der Künstlichen Intelligenz entgegenstellen – mit seiner menschlichen Intelligenz.

 

Seit dem 1. Juli ist die Umsatzsteuer bis Jahresende von 19 auf 16 bzw. von 7 auf 5 Prozent gesenkt worden. Zahnärzte mit Eigenlabor und Umsatzsteuer betrifft dies bei eigenen Rechnungen, alle anderen Zahnärzte beim Rechnungseingang. Wir haben für Sie die wichtigsten Tipps und Tricks zur Umsatzsteuersenkung in der Zahnarztpraxis zusammengestellt.

LEISTUNGSERBRINGUNG ENTSCHEIDET
Welcher Steuersatz muss auf die Rechnung? Das entscheidet sich allein danach, wann die Leistung erbracht wurde – vor oder seit dem 1. Juli 2020. Wann Sie die Rechnung schreiben oder wann bezahlt wird, ist unerheblich. Doch es gibt die nachfolgenden Grenzfälle, bei denen nicht sofort klar ist, wann die Leistung erbracht wurde:

1. Dienstleistungen sind das Tagesgeschäft des Zahnarztes, sie gelten als erbracht, sobald die Tätigkeit des Zahnarztes abgeschlossen ist.

2. Lieferungen sind erbracht, sobald der Kunde die Ware abholt bzw. sie dem Spediteur übergeben wird.

3. Zahnprothetik hingegen sind Werkleistungen, sie sind erbracht, sobald sie fertiggestellt sind. Hierfür ist die Abnahme der entscheidende Zeitpunkt – bei Zahnprothesen die Eingliederung.

4. Teilleistungen, die in den Zeitraum des zweiten Halbjahres 2020 fallen, werden mit dem reduzierten Satz besteuert. Dies gilt auch für Wartungsverträge. Enden Jahresverträge zum 31. Dezember 2020, fällt auch hier nur die geringere Umsatzsteuer an.

KLEINUNTERNEHMER-REGELUNGEN BEACHTEN
Liegt der Umsatz der Praxis bei umsatzsteuerpflichtigen Leistungen zuzüglich der Steuer im vorigen Jahr bei höchstens 17.500 Euro und wird dieses Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen, so gilt auch für Zahnarztpraxen die Kleinunternehmer-Regelung. Das bedeutet: Sie müssen für eigentlich umsatzsteuerpflichtige Leistungen keine Umsatzsteuer ausweisen.

GROßE ANSCHAFFUNGEN JETZT TÄTIGEN
Clever agieren können Sie, wenn Sie nun solche Dinge anschaffen, bei denen Sie die Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer erstattet bekommen – z. B. beim Erwerb eines neuen Autos (am besten mit E-Antrieb) oder eines neuen Röntgengeräts für die Praxis. Den Einkauf von Geräten für Ihr Eigenlabor hingegen können Sie getrost verschieben – hier bekommen Sie die Umsatzsteuer ja sowieso erstattet.

 

Wenn sich hustende oder Patienten mit Fieber in die Zahnarztpraxis vorstellen, beginnt das Stirnrunzeln: Wie sollte man sich als Zahnarzt und als Praxisteam verhalten? Zur Erinnerung: Die häufigsten Symptome bei einer Covid-19-Erkrankung sind Husten (49 %) und Fieber (41 %), daneben z. B. Schnupfen und der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns (RKI-Institut, Erhebung vom 5. Juni 2020). In Zeiten der Corona-Pandemie hilft es, die Patienten gedanklich in drei Kategorien einzuteilen.

PATIENTEN OHNE SYMPTOME

Die üblichen Hygienemaßnahmen einer Zahnarztpraxis reichen aus bei unauffälligen und symptomlosen Patienten.

PATIENTEN MIT SYMPTOMEN WIE HUSTEN ODER FIEBER

Eine Verschiebung der Behandlung sollte erwogen werden bei Patienten mit Covid-19-typischen Symptomen wie trockenem Husten oder Fieber. Ausnahme: Es handelt sich um einen zahnmedizinischen Notfall. Hier sollte bei der Behandlung besonders streng auf Schutzmaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz und Schutzbrille sowie Handschuhe geachtet werden. Patienten mit Covid-19-Symptomen sollten auf jeden Fall an ihren Hausarzt bzw. das Gesundheitsamt verwiesen werden.

PATIENTEN MIT DRINGENDEM VERDACHT AUF COVID-19

Bei Patienten mit dringendem Covid-19-Verdacht – Patient zeigt Symptome und hatte Kontakt mit einem an COVID-19 erkrankten Patienten – muss das Gesundheitsamt informiert werden, damit es weitere Schritte einleitet, um die Ausweitung der Corona-Pandemie einzudämmen.

 

Mehr Neuigkeiten und Tipps erhalten?
>> Jetzt zum Newsletter anmelden!