Telematikinfrastruktur (TI)


Was bedeutet das und was kommt auf mich zu?

In Zeiten des digitalen Wandels soll durch eine Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen (Zahnärzte, Ärzte, Psychotherapeuten etc.) eine allgemeine Datenpräsenz in der Behandlungssituation geschaffen sowie die Kommunikation untereinander und der Austausch von behandlungsrelevanten Informationen beschleunigt werden.

Das hierfür benötigte digitale Kommunikationsnetz bildet die Telematikinfrastruktur, kurz TI, deren oberste Priorität die Datensicherheit ist. Für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, kurz: gematik, zuständig.

Im Juni 2017 hat die gematik grünes Licht für den Start des Online-Rollouts der elektronischen Gesundheitskarte gegeben. Dennoch sollten Praxisbetreiber sich nicht unter Druck setzen lassen und abwägen, wann der richtige Zeitpunkt für den Anschluss an die TI ist.

Nicht nur offene Fragen zu den notwendigen Geräten sprechen für besonnenes Handeln – die Fristverlängerung für die Umsetzung nimmt ebenfalls Druck von den Entscheidungsträgern und verschafft den Praxen Zeit, sich vor der Anschaffung der neuen Hardware umfassend zu informieren.

Zur besseren Übersicht


Folgendes Schaubild veranschaulicht die zukünftige Telematikinfrastruktur:

1) Zertifizierte Software
Es wird eine Praxissoftware benötigt, die für die Telematikinfrastruktur-Anbindung zugelassen ist. Unser DS-Win ist seit September 2017 durch die gematik für die Anbindung an die TI zertifiziert. Alle zur Nutzung benötigten Softwarekomponenten sind bereits fest in unser Programm integriert, da wir ein extra zu installierendes Telematikmodul als zu unkomfortabel ansehen."

2) Zertifizierter Konnektor
Der Konnektor ermöglicht der Praxis den sicheren Zugang zur Telematikinfrastruktur, indem er ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI herstellt und ist mit den stationären Kartenterminals sowie dem PVS per Netzwerk verbunden. Es dürfen nur Geräte verwendet werden, die von der gematik zugelassen sind.

3) Zertifiziertes Kartenterminal
Damit der Versichertenstammdatenabgleich mit der Krankenkasse erfolgen kann, benötigt die Zahnarztpraxis mindestens ein neues zertifiziertes, stationäres Kartenterminal am Empfang der Praxis. Das vorhandene KVK-Kartenlesegerät kann nicht weiterverwendet werden.

4) Institutionskarte (SMC-B) & Heilberufsausweis (HBA)
Die SMC-B Karte wird von der KZV ausgegeben und in das neue zugelassene Kartenleseterminal eingelegt. Diese Karte wird zur Authentifizierung benötigt. Der HBA wird von der Zahnärztekammer ausgegeben. Der HBA wird ebenfalls in das Kartenleseterminal eingesteckt und dient zur Authentifizierung des Heilberuflers. Beide Karten werden alle 5 Jahre erneuert.

5) VPN-Zugangsdienst
Der VPN-Zugangsdienst setzt einen Internet-Anschluss voraus und ermöglicht die sichere Kommunikation mit der Telematikinfrastruktur. Auch diese Dienste müssen von der gematik zertifiziert sein.

Was ändert sich?

Durch den online erfolgenden Versichertenstammdatenabgleich mit der Krankenkasse erhält die Praxis eine sofortige Rückmeldung über eine gültige Versichertenmitgliedschaft. Eventuell geänderte Stammdaten wie Wohnort, Namensänderungen o. ä. werden dabei abgeglichen und auf der Karte aktualisiert.

Was kostet es und wer bezahlt es?

Die Kosten, die bei Anbindung der Praxen an die TI anfallen, müssen nicht von den Zahnärzten getragen werden, sondern werden von den Krankenkassen im Rahmen der Regelung der mit der KZBV getroffenen Grundsatzfinanzierungs- und Pauschalvereinbarung übernommen.

Erstattet werden die Kosten für die Installation der Komponenten und Dienste inklusive Schulung, für Ausfall der Zahnarztpraxis während der Installation, für die Integration der Komponenten in das Praxisverwaltungssystem sowie den zeitlichen Aufwand für die Einführung des VSDM in den Praxen in Form von Pauschalbeträgen (siehe Tabelle).

Inhalte Pauschale im Quartal der erstmaligen Nutzung Betrag in €
Konnektor 3. Quartal 2017
4. Quartal 2017
1. Quartal 2018
2. Quartal 2018
Ab 3. Quartal 2018
2.620,-
2.358,-
2.122,-
1.910,-
720,-
Stationäres Kartenterminal 435,-
Installation 900,-
Mobiles Kartenterminal 350,-
VPN Zugangsdienst mtl. für 5 Jahre Vom 03.Quartal 2017 bis einschließlich 2. Quartal 2018
Ab 3. Quartal 2018
100,-

83,-
SMC-B Karten mtl. für 5 Jahre 8,-
HBA mtl. für 5 Jahre 3,88

ACHTUNG: Die Höhe der Pauschalbeträge für den Konnektor ist zeitlich gestaffelt, da davon auszugehen ist, dass die Preise fallen, sobald weitere Anbieter auf dem Markt sind. Zu beachten ist, dass sich die Höhe der Erstattungspauschale danach richtet, wann die Technik in der Praxis in Betrieb genommen wird und nicht, wann diese bestellt wird. Die Auszahlung erfolgt durch die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen). Diese werden auf ihren Websites entsprechende Formulare zur Beantragung bereitstellen.

Ist der Zeitrahmen überhaupt realistisch?

Der derzeitige Zeitplan sieht einen deutschlandweiten Rollout bis zum 31.12.2018 vor. Bis dahin sollen 44.000 Zahnarztpraxen, 120.000 Arztpraxen, 2.000 Krankenhäuser und 24.000 Heilberufler an die Telematikinfrastruktur angeschlossen werden. Das würde bei der voraussichtlichen Verfügbarkeit aller Komponenten ab Anfang 2018 ca. 950 Installationen pro Werktag bedeuten.

Aus unserer Sicht ist dieser Zeitplan unter aktuellen Rahmenbedingungen nicht einzuhalten und sollte um ein weiteres Jahr verlängert werden. Diesbezüglich haben sich die KZBV und KBV in einem gemeinsamen Brief bereits an das Bundesministerium für Gesundheit gewandt.

Unsere Empfehlung

Ruhe bewahren und die Entwicklung am Gesundheitsmarkt aktiv beobachten. Wir empfehlen, sich nicht von der Industrie unter Druck setzen zu lassen. Von einer verfrühten Umstellung und „Early-Bird“ bzw. „Best-Price“-Aktionen raten wir ab.

Damit wir unsere Kunden zu diesem Thema bestmöglich unterstützen können, stehen wir in engem Kontakt zu potenziellen Anbietern von Hardwarekomponenten und VPN-Zugangsdienstleistern.

Wissenswertes zum Thema


Weitere Infos von der KZBV

Artikel aus der zm online 14/2017

Weitere Infos von der KZVB

Publikation der KZVB 15+16/2017

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