Corona in Zahlen: So geht es den Praxen

Corona Zahnärzte wirtschaftliche Lage

Nachdem Deutschlands Zahnarztpraxen zwischen März und Mai 2020 signifikante Rückgänge der Leistungserbringung verkraften mussten, hatte sich die Lage im weiteren Jahresverlauf 2020 deutlich stabilisiert. Die Verluste des Frühjahres konnten im Sommer und Herbst weitgehend aufgeholt werden – ein Trend, der sich auch zum Jahresbeginn 2021 fortschreibt. Wie es den Zahnarztpraxen mit Blick auf das Gesamtjahr 2020 erging und wie der Ausblick für 2021 ist, analysiert in diesem Gastbeitrag Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH.

Zahnärztliche Honorarumsätze auf Jahressicht nur minimal gesunken

Nach einer Studie der solvi GmbH konnten Deutschlands Zahnarztpraxen die Honorarverluste des ersten Lockdowns im Jahresverlauf 2020 noch weitgehend aufholen. „Zu unserer großen Freude konnten wir in unserer Analyse von täglichen Echtdaten aus knapp 100 Praxen zeigen, dass Deutschlands Zahnärzteschaft das Jahr 2020 dank gemeinsamer Anstrengung noch halbwegs retten konnte“, erklärt Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH. Nach sechs äußerst schwachen Wochen im Frühjahr konnten die Verluste im Sommer und Herbst durch ausgeweitete Öffnungszeiten, weniger Reise- und Urlaubstätigkeit und aktive Patientenkommunikation weitgehend kompensiert werden. „Die Weihnachtszeit war erneut von deutlichen Rückgängen gekennzeichnet, was der freiwilligen Selbstisolation weiter Bevölkerungsteile für ein sicheres Weihnachtsfest geschuldet sein dürfte“, führt Brendel weiter aus. „Nach unseren Berechnungen steht unterm Strich auf Jahressicht ein leichter Rückgang der Umsätze von Deutschlands Zahnarztpraxen i. H. v. ca. -1 %. Die Leistung der Zahnärzteschaft in 2020 übertraf damit unsere Erwartungen aus dem Sommer, wir waren damals von einem Rückgang von ca. -3 % bis -5 % ausgegangen.“

Durchschnittsbetrachtung darf über große Bandbreite nicht hinwegtäuschen

Nicht hinwegtäuschen dürfen diese Zahlen aber über die Tatsache, dass es viele Härtefälle gab und gibt. Besonders betroffen waren etwa Praxen mit überdurchschnittlich altem Patientenstamm, Praxen in von COVID-19 besonders stark betroffenen Regionen, Praxen in Bürovierteln und vor allem Kombinationen daraus. Besonders kritisch ist die Lage nach wie vor auch für alle neu gegründeten oder kürzlich übernommenen Praxen sowie für all jene, die jüngst stark expandierten.

Trotzdem lässt sich festhalten, dass die Zahnärzteschaft schnell und richtig gehandelt hat. So geht aus einer weiteren solvi-Studie hervor, dass die meisten Zahnarztpraxen schon im März und April 2020 in erheblichem Maße liquide Mittel besorgt oder organisch aufgebaut haben. Diese Liquidität diente den Praxen im weiteren Jahresverlauf 2020 als Puffer und Sicherheitsreserve und verblieb – im Vergleich zu den Vorjahren – auf einem deutlich erhöhten Niveau. Gleichzeitig konnte das Patientenaufkommen mit klarer und direkter Kommunikation nachhaltig stabilisiert werden.

Bisheriger Anstieg der Leistungserbringung weckt Hoffnung

Für 2021 kann die Zahnärzteschaft jedoch vorsichtig optimistisch sein. In den ersten Wochen scheint es bereits Nachholeffekte aus der besonders schwachen Weihnachtszeit zu geben. So lag die Leistungserbringung in den Praxen zwischen KW 1 und KW 6 2021 im Median gut 10 % über dem Vorjahr. Dessen ungeachtet sank die Überperformance zum Vorjahr aber in den letzten vier Wochen kontinuierlich und lag in KW 6 nur noch bei ca. 5 %.

Im weiteren Verlauf des ersten Quartals dürften die Patientenzahlen vermutlich weiterhin leicht unter Druck stehen, zumal das Infektionsgeschehen aufgrund er neuen Mutanten und vorzeitiger Lockerungen zuletzt wieder ansteigt. „Wir gehen kurzfristig keinesfalls von einem starken Rückgang der Patientenzahlen aus, wie wir ihn im März und April 2020 beobachten könnten“, so Brendel. „Für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir in den Sommer hinein sinkende Infektions- und Todeszahlen in Folge der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung. Entsprechend gehen wir auch für Zahnarztpraxen von einer graduellen Rückkehr zur Normalität und zu den gewohnten Patientenzahlen in allen Alters- und Risikogruppen aus. Bei älteren Patientengruppen dürfte es nach erfolgreicher Immunisierung sogar zu leichten Nachholeffekten aus 2021 kommen“, hält der Finanz-Experte abschließend zum weiteren Ausblick fest.

Praktische Tipps für den weiteren Jahresverlauf
1
Beschäftigen Sie sich weiterhin fortlaufend mit den Praxisfinanzen – Bedingt durch eventuelle Nachzahlungen für Steuer- oder Mietstundungen, die Tilgung einer zusätzlichen Kreditnutzung oder die Zurückzahlung von Staatshilfen kann es zu unerwarteten Verwerfungen und finanziellen Engpässen kommen.
2Nutzen Sie den Winter und das Frühjahr, um Ihre Praxis strukturell und organisatorisch weiter zu optimieren – so werden sie gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen.
3
Nutzen Sie die neuen Fortbildungsmöglichkeiten wie etwa Live-Onlineseminare, Videoschulungen, digitale Kongresse oder Podcasts als Möglichkeit zur Weiterbildung. Größere Präsenzveranstaltungen dürften bis auf weiteres leider nicht durchführbar sein.
4Behalten Sie weiterhin Ihr Patientenaufkommen und Ihre Leistungserbringung genau im Auge; beides sind vorlaufende Indikatoren für Ihren Geldzufluss der Zukunft und damit auch für Ihren Kontostand von morgen.

Quelle: solvi GmbH, am 23. Februar 2021

* Die solvi GmbH weist darauf hin, dass es sich bei den vorgelegten Zahlen um eine Analyse eines nicht repräsentativen Praxis-Panels handelt. Die Ergebnisse erheben daher keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die solvi GmbH geht dennoch davon aus, dass die darin zu sehenden Entwicklungen und Größenordnungen wertvolle Anhaltspunkte liefern können und sich im Zeitablauf im Wesentlichen bestätigen und weiter verfestigen.