Sprechstunde e-health: TI – Fluch und Segen

ehealth Sprechstunde TI Fluch oder Segen

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen hat Fahrt aufgenommen. Viele Zahnarztpraxen sind bereits an Bord. Als digitaler Lösungsanbieter sitzen wir bei Dampsoft im selben Boot. Unser gemeinsames Ziel: ein sicheres und effizientes Gesundheitsnetzwerk mitzugestalten. In unserem neuen Beitragsformat wollen wir uns regelmäßig den aktuellen Fragen zur TI stellen und suchen Antworten.

Wo steht die Telematikinfrastruktur im Jahr 2021?

Stellen Sie sich die Telematikinfrastruktur (TI) einmal bildlich als eine Sinfonie vor. Die Akteure im Gesundheitswesen sind das Orchester, das sie spielen soll. 2021 fand die Generalprobe statt. Die Rahmenbedingungen im Konzerthaus waren eher düster: Die Corona-Pandemie warf und wirft auch weiterhin ihren dunklen Schatten über alle Lebensbereiche − über die Gesundheitsversorgung im Besonderen. Alle Zahnarztpraxen gaben auch in diesem Jahr alles, um die wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung aufrecht zu erhalten. Fast nebenbei wurde die neue PAR-Richtlinie eingeführt und umgesetzt. Und dennoch haben fast alle die Zeichen der Zeit erkannt und sind den Weg der Digitalisierung mitgegangen. Das ist nicht selbstverständlich. Kein anderer Bereich im Gesundheitswesen ist für die TI so gut ausgestattet wie die Zahnmedizin.

Durch die zahlreichen Anfragen unserer Kunden ist uns sehr wohl bewusst, welche Kraftanstrengungen den Praxen bisher durch den Gesetzgeber abverlangt wurden: Beschaffung der eHBAs bei den Kammern, Sorge vor Honorarkürzungen im Rahmen der ePA-Einführung, Fristverschiebungen, regelmäßige Konnektor-Updates, Erreichbarkeit der zentralen TI-Komponenten und damit verbundene zeitweise Probleme beim Einlesen der eGKs, die schwierige Einführung von KIM und zuletzt der eAU.

Hohe Nachfrage nach TI-Komponenten von Dampsoft

Bei Dampsoft haben wir weite Teile des Unternehmens auf das Thema Digitalisierung und TI ausgerichtet; von der frühzeitigen Information und Aufklärung unserer Kunden, über die pünktliche Bereitstellung aller Updates im DS-Win, bis hin zu zahlreichen digitalen und persönlichen Angeboten zur Unterstützung und Hilfe. Für uns ist klar: Um unserem Anspruch als digitaler Lösungsanbieter gerecht zu werden, müssen wir unsere Kunden beim Thema Digitalisierung an die Hand nehmen. Wir haben es in kurzer Zeit geschafft, sehr viele Praxen mit unserem neuen Produkt „e-health“ auszustatten, um sie startklar für die TI zu machen. Zuletzt konnten wir alle pünktlich mit der KIM-Lösung versorgen, so dass die Praxen fristgemäß zum 1. Januar 2022 mit der eAU loslegen können. Zugegeben: Das war auch für uns eine große Herausforderung. Aber gemeinsam – und damit zurück zu unserem Bild von der TI als Sinfonie – haben wir die Generalprobe bestanden. Wir sind zuversichtlich, dass 2022 das Zusammenspiel der Akteure im digitalen Gesundheitswesen besser aufeinander abgestimmt sein wird und sich mehr Wohlklang einspielen wird.

Sorgt die TI für mehr Arbeit in den Zahnarztpraxen als Mehrwerte zu liefern? Gibt es spürbare Vorteile für Zahnarztpraxen und deren Patienten?

97,5 % aller Zahnarztpraxen sind mittlerweile an die TI angeschlossen. Das ist der Spitzenwert. Kein anderer Leistungserbringer-Bereich ist in dem Umfang in der TI angekommen. Das mag auch an der hohen Technikaffinität der Zahnärzte liegen. Zugleich muss man konstatieren, dass die bisherigen Anwendungen noch überschaubare Mehrwerte für Zahnarztpraxen und deren Patienten bieten. Ob eMP, Notfalldaten, eAU oder ePA 1.0: Die Zahl der Patienten, die diese Anwendungen aktiv beim Zahnarzt einfordert oder benötigt, wird auch in naher Zukunft leider noch überschaubar sein. Auch beim kommenden eRezept muss man sagen: So oft stellen Zahnärzte keine Rezepte aus. Aber das wird sich ändern: Mit dem elektronischen Zahnbonusheft in der ePA 2.0 und dem elektronischen Antrags- und Genehmigungsverfahren warten ab 2022 neue Anwendungen, die die Versorgung patientenfreundlicher und angenehmer gestalten werden.

Wie geht es in 2022 in Sachen TI weiter?

Die Ampel steht auf grün. Auf das zügige Vorantreiben der Digitalisierung haben sich SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen in ihren Koalitionsverhandlungen geeinigt. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung mit ersten Eckpunkten für die künftige Digitalisierung des Gesundheitswesens liegt vor. Man ist sich einig, dass die sektorbezogenen Strukturen und Prozesse mit Blick auf den technologischen Fortschritt überdacht und weiterentwickelt werden sollten, um die enormen Vorteile der Digitalisierung in Zukunft noch mehr im Gesundheitswesen zu nutzen. Unsere Hoffnung ist, dass die vielen Hinweise der Leistungserbringer – somit auch der Zahnärzteschaft – noch ernster genommen und die PVS-Anbieter mehr Gehör finden werden. Digitalisierung funktioniert nicht per Anweisung oder Drohung, sondern muss zu einem spürbaren Mehrwert im Tagesalltag führen. Unser Eindruck ist, dass allen Beteiligten in der Branche klar ist, dass das Thema Nutzerakzeptanz wieder mehr im Fokus stehen muss.

Zum Autor: Dr. Andrej Teterin ist als Geschäftsbereichsleiter des Produktmanagements und e-health bei Dampsoft unser Experte in Sachen Telematikinfrastruktur. Regelmäßig beantwortet er Fragen und kommentiert die aktuellen Entwicklungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen im Allgemeinen und im Bereich der Zahnmedizin im Besonderen.