Sprechstunde e-health: Zum Strategiewechsel der gematik

ehealth Sprechstunde TI Fluch oder Segen

Dampsoft stellt sich regelmäßig den aktuellen Fragen zur Telematikinfrastruktur (TI) und sucht Antworten. Heute: Welchen Kurs verfolgt die neue Bundesregierung in Sachen TI und Digitalisierung im Gesundheitswesen? Wir schauen gespannt nach Berlin und zur gematik. Wie stellt sich Dampsoft den Herausforderungen der TI? Erfahren Sie, wie wir einen Software-Rollout vorbereiten.

Die neue Bundesregierung hat ihren Dienst angetreten. Welchen Kurs verfolgt sie in Sachen TI und Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Mit Prof. Dr. Karl Lauterbach und den parlamentarischen Staatssekretären ist die Spitze des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) neu besetzt worden. Derzeit bleibt noch abzuwarten, ob es eine weitere Beschleunigung oder eher ein Moratorium geben wird. Klar ist: Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung geht weiter.

Mit einem Gesellschafteranteil von 51 % hat das BMG seinen Einfluss in der gematik seit 2019 in erheblichem Umfang genutzt und viele brachliegende Themen beschleunigt und umgesetzt. Das mag nicht jedem gefallen, denn die Vor- und Nachteile sind in den Praxen und Kliniken zu spüren. Dennoch überwiegen die Vorteile, weil damit die Voraussetzungen geschaffen wurden, dass die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung flächendeckend greifen kann. Ein Verdienst, das für immer mit dem Kabinett Merkel IV und Jens Spahn verbunden bleiben wird.

Schon bald wird sich das BMG in Sachen Digitalisierung personell und inhaltlich neu positionieren. Neben dem Schwergewicht der Corona-Pandemie, was uns alle stark fordert, hat das BMG weitere Reformen auf der Agenda. Mit welchen konkreten Fristen, Vorhaben und Vorstößen das Thema Digitalisierung weiterhin behandelt wird, das wird noch erwartet. Erstmal heißt es, KIM und eAU für den Massenbetrieb fit zu machen und die neuen Prozesse in den Praxen einzuüben. Das wird den Kundenservice aller PVS-Anbieter weiterhin stark fordern. Hinzu kommt die vorbereitende Testung des e-Rezepts in 2022. Die erst kürzlich verkündete neue Marschroute der gematik, das e-Rezept voranzubringen und die Testphase zu intensivieren, finden wir nachvollziehbar und begrüßen die Entscheidung ausdrücklich.

Strategiewechsel der gematik hin zu versorgungsorientierter Digitalisierung

Gute Softwareentwicklung braucht Zeit für Konzeption, Testung, Dokumentation und Kundenkommunikation. Es reicht nicht aus, neue Software pünktlich auszuliefern. Auf der Nutzerseite müssen hunderttausende Mitarbeiter in Arztpraxen und Kliniken entsprechend informiert, geschult und neue Abläufe trainiert werden. Softwareanbieter übernehmen hier immer mehr die technische, organisatorische und personelle Steuerung der Versorgungsprozesse von morgen. Daher bleibt zu hoffen, dass wir alle in Zukunft von den neuen politischen Entscheidungsträgern und Körperschaften mehr Verständnis und weniger Druck erhalten, damit das gemeinsame Vorhaben, die Digitalisierung im Gesundheitswesen, nachhaltig gelingen kann. Sie muss zu einer Vereinfachung und Verbesserung der Situation führen und den Patienten zugutekommen. Und ja, die Umgewöhnung kostet auch Kraft, insbesondere dann, wenn es um jahrzehntelange manuelle Arbeitsprozesse geht. Insofern sollte es das Ziel aller Beteiligten sein, die Digitalisierung versorgungsorientiert voranzutreiben und für die Menschen in der Gesundheitsversorgung komfortabel und unterstützend wirken zu lassen.

Ein Blick hinter die Kulissen von Dampsoft: Wie wird ein Rollout für eine neue Software-Lösung vorbereitet?

Dampsoft hat bereits seit Anfang 2019, als die gematik unter Federführung von Jens Spahn umstrukturiert wurde, den Kontakt zu Arbeitsgruppen und politischen Entscheidungsträgern gesucht. Seit 2020 konnten wir verschiedene Entwicklungspartnerschaften mit einigen Gesetzlichen Krankenversicherungen ins Leben rufen und den digitalen Datenaustausch konzeptionieren, technisch einüben und mit ersten Testpraxen ausprobieren. Als PVS-Anbieter hatten wir bis dahin keinen direkten Kontakt zu Krankenkassen. Insofern ging es erstmal darum, Vertrauen und Verständnis füreinander aufzubauen. Die Vorbereitungszeit hat sich ausgezahlt. Im Herbst 2020 hat Dampsoft bundesweit die erste eAU über die TI an ein Krankenkassen-IT-System gesendet. Ein Jahr vor Marktstart haben wir gezeigt, wie man frühe Tests mit Zahnarztpraxen nutzen kann, um weitere praktische Erfahrungen zu sammeln – nach dem Motto „fail fast, fail often“. Auf diesen Erfahrungen bauen wir mit Blick auf weitere Entwicklungen auf, z. B. für das elektronische Antrags- und Genehmigungsverfahren, das insbesondere für Zahnärzte schon sehr bald von großer Relevanz und Interesse sein dürfte. Bleiben Sie gespannt!

Hier geht es zum ersten Teil der e-health-Sprechstunde: TI – Fluch und Segen

 

Porträt Dr. Andrej Teterin

Gastautor und Leiter des Produktmanagements Dr. Andrej Teterin

Dr. Andrej Teterin ist als Geschäftsbereichsleiter des Produktmanagements und e-health bei Dampsoft unser Experte in Sachen Telematikinfrastruktur. Regelmäßig beantwortet er Fragen und kommentiert die aktuellen Entwicklungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen, besonders im Bereich der Zahnmedizin.